Das Verlassene Waisenhaus

  • ⭐️ 8/10
  • 🌡 Medium
  • ⏳ 60 Minutes
  • 👥 1 – 6 Person

Wir hatten gestern die Gelegenheit, das verlassene Waisenhaus in der „Home Edition“ zu testen. Home Edition bedeutet, dass ihr von zu Hause spielt, während sich ein Avatar in Form einer realen Person in einem realen Escape Room befindet. Du und deine Teamkollegen, könnt das Ganze via Livestream auf einem (oder mehreren) Computer, Laptop oder Tablett verfolgen und dem Avatar Anweisungen geben, welche Handlungen er für euch ausführen soll. Der Avatar ist gleichzeitig der Spielleiter, der eine GoPro-Kamera trägt und via Handy mit euch in Kontakt steht.

Wir haben zu zweit und an verschiedenen Orten gespielt. Mit dem Link, der uns zugeschickt wurde, haben wir uns mit unseren Endgeräten, einige Minuten vor Spielbeginn eingeloggt. Zusätzlich wird über das Handy (z.B. Zoom oder eine gewöhnliche Telefonkonferenz) eine akustische Verbindung zwischen allen Beteiligten (Spielern und der Spielleitung) aufgebaut. Hierüber können dem Avatar Anweisungen übermittelt werden und dieser wiederum kann uns Feedback oder auch Hilfestellungen geben. Das Bild und der Sound zum Spiel hingegen, kommt von unserem Laptop.

Nachdem alle technischen Voraussetzungen geschaffen sind, kann es losgehen. Ein Gamemaster erscheint und erklärt auf sympathische Art und Weise die Spielregeln. Zum Beispiel, dass der Avatar am besten nur von einer Person Anweisungen bekommen sollte (man kann sich ja abwechseln) und nicht alle gleichzeitig, völlig unterschiedliche Instruktionen absetzen. Dies ist umso wichtiger, weil es, technisch bedingt, eine gewisse Latenz (3-5 Sekunden) zwischen einem Kommando und dessen Ausführung durch unsere virtuelle Identität gibt. Aber daran hat man sich recht schnell gewöhnt.

Das Abenteuer beginnt und wir erkunden das verlassene Waisenhaus aus der Perspektive einer Actionkamera, was sehr spannend ist, und tatsächlich ein wenig Blair Witch Project feeling aufkommen lässt. Das Unterfangen ist untermalt mit einer atmosphärischen Soundkulisse, die für zusätzliche Thrill sorgt. Unser Avatar ist eine sie und macht ihre Sache hervorragend (fettes Kompliment für das tolle Acting!), beschreibt uns ausführlich, was sie sieht, führt unsere Anweisungen gekonnt aus, löst dabei Rätsel, zeigt aber auch Emotionen wie Angst und Panik. Wir leiden vor den Bildschirmen mit und sprechen ihr Mut zu.

Wenn eine Räumlichkeit etwas genauer erkundet ist, gibt es auch Schnitte, und man sieht das Zimmer manchmal aus der Sicht der verschiedenen GM-Kameras. Diese Perspektivwechsel werden vom Regiepult gekonnt in Szene gesetzt und sind eine willkommene Hilfe uns zu orientieren, um danach präzisere Instruktionen geben zu können. Und so Rätseln wir uns Raum für Raum vorwärts. Das funktioniert erstaunlich gut, und ich habe durch die scharfen Bilder der Kopfkamera teilweise sogar Dinge gesehen, die mir beim realen Spielen – ich kannte den Raum bereits – im halbdunklen entgangen waren.

Ich bin der Sache anfangs recht skeptisch gegenübergestanden, war aber sehr positiv überrascht und könnte mir vorstellen sowas zu wiederholen. Der 2. Raum von Escape Game Innsbruck – Die Rache des Tutanchamun – steht ja bereits als Home Edition in den Startlöchern. Jedenfalls bin ich sehr gespannt, wie sich diese Art von Escape Games weiterentwickeln. Ist das alles nur ein Pausenfüller während der Corona-Krise? Verschwinden diese Home Editions vom Markt, sobald die realen Escape Games wieder öffnen dürfen? Oder hat das Ganze doch mehr Potential, und ich kann irgendwann die coolsten Räume in Moskau oder den USA spielen, ohne mir dafür ein Flugticket kaufen zu müssen?

Anfangs nur als kurzer Test gedacht, der für 15-20 Minuten angesetzt war, um mal zu sehen, wie das funktioniert, haben wir es uns nicht nehmen lassen und doch bis zum Ende durchgespielt. Das wir nur 36 Minuten gebraucht haben, ist übrigens der Tatsache geschuldet dass wir beide den Raum schon kannten. Spaß hat‘s trotzdem gemacht! Probiert es mal aus! Am besten Abends in einem dunklen Raum bei Kerzenlicht

Heiner Stepen

Heiner Stepen